Oliver Genausch vor dem Cottbus-Spiel

„Wir haben nichts zu verlieren“

„Wir haben nichts zu verlieren“

Unser Stürmer Oliver Genausch schoss nicht nur sich selbst, sondern den ganzen Verein in Neustrelitz ins Glück. Für das Wacker-Echo stand er Sandra Arm Rede und Antwort.

 

Oliver, dein erster Saisontreffer sah sehr kurios aus. Wie hast du ihn wahrgenommen?

Das haben meine Mitspieler und der Trainer auch so gesagt. (lacht) Als der Ball in der Luft war, wusste ich, dass ich ihn volley aufs Tor schießen wollte. Durch den Wind und andere Umstände veränderte der Ball etwas die Flugbahn. Ich habe ihn glücklicherweise gut getroffen – und dann ging er rein.

 

War das so gewollt?

Ja, der Ball sollte schon so auf das Tor kommen. Obwohl die Distanz zum Ball nicht ganz gestimmt hat, er hat ein bisschen geflattert. Dass er mit Aufsetzer ins lange Eck knallte, da war sicherlich viel Glück dabei.

Es war zugleich der Siegtreffer. Das hat den Nachmittag noch perfekter gemacht.

Es war für alle wichtig, dass wir mal so ein Spiel dabei hatten, in dem wir das Tor verteidigen, wir alle zusammenstehen und den Sieg über die Zeit bringen konnten.

Gegen Neustrelitz standest du zum dritten Mal in der Startelf. Worauf lassen sich die eher durchwachsenen Einsatzzeiten zurückführen?

Das ist der Tatsache geschuldet, dass ich mich anfangs der Saison gleich verletzt habe (Bänderriss im Knöchel). Dann war ich wieder dabei und es folgte eine zweiwöchige Krankheit, die mich mit Antibiotikum herausgerissen hat. Ich bin glücklich, dass ich am Wochenende spielen konnte.

Du warst einer der letzten Wacker-Transfers im Sommer. Warum erst so spät der Wechsel nach Nordhausen?

Der Kontakt bestand schon früher. Es hat sich dann zwischendurch etwas hingezogen und dann ging es aber relativ schnell. Ich habe mich für Nordhausen entschieden, weil ich hier eine größere Perspektive sehe, regelmäßig zu spielen. Ich war in Zwickau eine Zeitlang verletzt, wollte einfach wieder in den Rhythmus reinkommen. Ich hatte gute Gespräche mit den Wacker-Verantwortlichen.

Beim FSV Zwickau hattest du noch einen Vertrag bis 2018. Stattdessen hast du dich für die Regionalliga entschieden. Das ist doch ein Schritt zurück?

Manchmal ist es ein Schritt zurück, manchmal aber ein Schritt nach vorn. Für mich war es wichtiger regelmäßiger zu spielen, um in den Rhythmus reinzukommen. In Zwickau wäre es nicht so einfach gewesen, weil die Konkurrenz auf meiner Position relativ groß war. Und ich hatte das Gefühl, ich brauche etwas anderes, etwas Neues. Ich wollte für mich einen neuen Reiz setzen.

Haben sich deine Erwartungen bisher erfüllt?

Absolut. Was ich vorgefunden habe entspricht dem, was mir gesagt wurde. Ich bin glücklich hier. Die Einsatzzeiten waren verletzungsbedingt nicht optimal, das lässt sich halt nicht ändern. Ich hoffe, dass es ab sofort besser läuft. Ich brauche noch ein bisschen Spielfitness, bin auf einem guten Weg. Gegen Neustrelitz hat es noch nicht für 90 Minuten gereicht. Es ist wichtiger, wenn da jemand reinkommt, der Vollgas geben kann, als wenn ich mich da irgendwie rumschleppe.

Mit dem Auswärtserfolg hat sich die Mannschaft in der Tabelle auf den dritten Platz vorgeschoben. Wie fällt dein Zwischenfazit vor dem Cottbus-Spiel aus?

Der Tabellenplatz ist repräsentativ für uns. Wir hatten viele gute, aber auch schlechtere Spiele dabei. Wenn ich auf die letzten drei Spiele schaue, dann haben wir sieben Punkte geholt. Das ist ein guter Schnitt. Wir hätten gegen Neugersdorf gern gewonnen. Logisch, die Heimspiele willst du gewinnen. Anfangs hatten wir auswärts Probleme, jetzt haben wir auswärts die Punkte geholt. Nun haben wir zu Hause ein bisschen Probleme.

Wie lassen sich die Schwankungen erklären?

Wir haben eine junge Mannschaft, wo jeder an jedem Tag noch dazulernen kann. Das ist manchmal so im Fußball, den einen Tag funktioniert es, den anderen Tag funktioniert es weniger. Die Schwankungen müssen wir noch rausbekommen, damit wir ein richtig gutes Level erreichen.

Woran kann die Mannschaft explizit noch arbeiten?

Was wir gut machen, ist im Verbund verteidigen. Was wir weniger gut machen, wenn eine Mannschaft tief steht, dort immer die richtige Lösung zu finden.

Vorwiegend haben wir bisher gegen Mannschaften gespielt, die hinten drin standen. Gegen Cottbus erwartet uns sicherlich ein anderes Spiel.

Es kommt uns vielleicht mehr entgegen, wenn der Gegner auch Fußballspielen will und wir Räume bekommen.

Es ist das Spitzenspiel in der Regionalliga Nordost, Erster gegen Dritter. Schon aufgeregt?

Aufgeregt würde ich nicht sagen, ich verspüre eher Vorfreude. Wir haben nichts zu verlieren. Man ist vielleicht ein bisschen angespannter und fokussierter. Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, es zu gewinnen. Aufregung wäre fehl am Platz. Wer aufgeregt ist, der macht Fehler. Wir wollen am Samstag nicht so viele Fehler machen.

Ein bisschen Cottbus ärgern ist also erlaubt.

Absolut. Wir können sogar noch weiter gehen. Ein gutes Spiel machen und dann trotzdem verlieren, das bringt uns gar nichts. Die drei Punkte wollen wir schon mitnehmen. Noch dazu, weil wir zu Hause spielen.

Was bereitet dir abseits des Fußballs noch Freude?

Meine Freundin wohnt noch in Dresden, so dass ich bei einem freien Tag zu ihr gefahren bin oder sie ist hergekommen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Ich bin eher der Familientyp, ich habe gern meine liebsten Menschen um mich. Freie Zeit ist Luxus und die sollte man auch mit den Menschen genießen, die man am liebsten hat. Wir befinden uns momentan im Umzugsmodus. Meine Freundin zieht mit nach Nordhausen. Wir hoffen, dass alles glatt läuft und wir bis Weihnachten durch sind.

Eine Stadt wie Dresden zu verlassen, schmerzt sicherlich richtig.

Ich bin mit Leib und Seele Dresdner. Ich finde die Stadt, die Leute toll. Ich habe mit meinem Teamkollegen Robin Fluß, der ebenfalls Dresdner ist, eine gute Fahrgemeinschaft gehabt. Ich finde Nordhausen zum Entspannen und Ausruhen schön, es ist eine gemütliche Stadt. Und wenn es am Wochenende die Zeit zulässt, können wir nach Hause fahren und die Familie besuchen