FSV Wacker 90 Nordhausen II – FC Einheit Rudolstadt 2:1 (2:2)

„Aus meiner Sicht war es kein Elfmeter!“

Meinert (hinten) foult Michl? Elfer für Einheit kurz vor Spielende!

Die spielentscheidende Szene hatte ihren Ursprung in einem Zweikampf zwischen Clemens Meinert und dem 10 Minuten zuvor eingewechselten Rudolstädter Vincent Michl im Wacker-Strafraum. Unser Verteidiger stellte seinen Gegner mit fairen Mitteln, der jedoch den Ball behaupten und mit der Fußspitze in die Gefahrenzone spitzeln konnte. In diesem Moment ertönte ein Pfiff des Unparteiischen Kevin-Coren Eckert aus Großröhrsdorf, der ein Foulspiel von Meinert an Michl gesehen haben will. Unser Verteidiger bringt Licht ins Dunkel: „Aus meiner Sicht war es kein Elfmeter! Laut Schiedsrichter gab es einen Kontakt von mir am Bein des Rudolstädters. Diesen allerdings kann ich nicht bestätigen! Ich gebe dem Schiedsrichter aber keine Schuld, denn es war relativ schwer für ihn, die Situation aus seiner Perspektive korrekt zu beurteilen. Der Linienrichter allerdings hatte eine gute Sicht und hätte eingreifen können. Zumal der Gegner meiner Meinung nach kurz zuvor selbst ein Stürmerfoul an mir begeht, da er mich im Sprintduell mit beiden Armen festhält!“ Patrik Schlegel übernahm Verantwortung vom Punkt und hatte keine Mühe, für den Ausgleichstreffer der Gäste zu sorgen. Gleichzeitig auch der Endstand in einer teils hoch emotionalen Oberligapartie. Dabei begann der Nachmittag für die Hausherren wie gemalt. Wacker II erwischte einen Blitzstart und ging nach 120 Sekunden durch das schnellste Saisontor mit 1:0 in Führung.

Torschütze zum 2:0 und bald (Co) Trainer-Novize – Torsten Klaus

Initiator des Tores war Leon Gümpel, dessen scharfe Hereingabe von Einheit-Kapitän Lukas Schirrmeister ins eigene Tor gelenkt wurde. Gümpel schildert die Situation wie folgt: „Es war ein sehr gelungener Start in das Spiel. Wir konnten uns mit unserer ersten Offensivaktion über den rechten Flügel durchsetzen. Meine scharfe Hereingabe wurde letztendlich von Schirrmeister über die Linie gedrückt.“ Gelungener Einstand für die Gastgeber, die schnellstmöglich nachlegen wollten. Allerdings dauerte es bis zur 20. Minute, ehe das Runde zum zweiten Mal im Eckigen zappelte. Eine Koproduktion von Liese und Gümpel setzte Torsten Klaus in Szene. Unser Routinier ließ es sich aus kurzer Distanz nicht nehmen, zum 2:0 zu vollenden. Wenig später profitierte Jonas Ernst von einem Abstimmungsfehler in der Gästeabwehr. Doch leider war es nicht der dritte Wacker-Treffer. Ein Gümpel-Freistoß aus gut 18 Metern nach Foul an Ernst wollte auch nicht im Netz landen (31.). Die erste wirklich torgefährliche Aktion der Gäste datierte aus der 37. Minute, als Bismark einen Ballverlust von Schröter ausnutzte und Aulig im Wacker-Gehäuse ernsthaft prüfte. Doch Aulig kratzte das Leder per Hechteinlage aus dem Triangel. Bis dahin hatte die Seeland-Elf alles fest im Griff, doch Rudolstadt zeigte mit dieser Aktion, dass sie sich trotz des Rückstandes noch lange nicht aufgegeben hatten. Kurz vor der Pause nutzte der Rudolstädter Schlegel eine Schlafmützigkeit des Gegners eiskalt aus. Die Ostthüringer verkürzten. Ein Wirkungstreffer für die Wackeren, die im zweiten Durchgang nicht mehr an die Leistung der ersten Halbzeit anknüpfen sollten. Die Gäste übernahmen mehr und mehr das Spielgeschehen, ohne dabei jedoch zwingend torgefährlich zu werden.

„Es hat gebrummt und mir war schwummerig!“ Kapitän Marcus Vopel

Den ersten emotionalen Höhepunkt erlebten die 65 anwesenden Zuschauer in der 58. Spielminute. Eine ruppige Aktion von Schirrmeister gegen Vopel sollte die Gemüter auf und neben dem Platz ordentlich erhitzen. Im Duell der Kapitäne musste unser Capitano erst richtig einstecken, dann nach Behandlung auf dem Platz ausgewechselt werden. Für ihn kam Mika Hess in die Partie. Markus, nach der Aktion gegen dich konnte man von außen „Absicht“ hören. Was sagst du als unmittelbar Beteiligter? „Schwierig zu sagen. Ich glaube nicht, dass es Absicht war und das er mich in der Situation verletzen wollte. Schirrmeister wollte halt mit Körper und Ball vor mich kommen, was er nicht geschafft hat. Dann greift er meinen Arm und zieht mich dabei mit herunter. Ich konnte mich nicht abfangen und bin dann halt mit einer Gesichtshälfte auf dem Boden aufgeschlagen.“ War deine Auswechslung eine reine Sicherheitsmaßnahme? „Ja! Ich hatte starke Kopfschmerzen, Schmerzen im Genick und auch die Gesichtshälfte verursachte ein starkes Schmerzgefühl. In dem Moment hat es halt echt gebrummt und mir war auch ein wenig schwummerig. Sicherhaltshalber haben wir dann entschieden, dass ich draußen bleibe und Mika Hess für mich eingewechselt wird.“ Wenig später nahm Wackers Zweite einen erneuten Wechsel vor.

Comeback in der Oberliga nach 123 Tagen Pause – Paul Kirchner

Paul Kirchner gab nach 4-monatiger Verletzungspause sein Comeback auf dem Platz. Er ersetzte Torsten Klaus. Kirchner schildert diesen hochemotionalen Moment: „Er war für mich ein absolut geiles Gefühl, nach so langer Zeit (123 Tage genau glaube ich) wieder in einem Pflichtspiel auf dem Platz zu stehen. Ich bin seit drei Wochen wieder im Mannschaftstraining bei der Ersten. Diese Woche konnte ich erstmals wieder komplett mittrainieren. Es ist ein super Gefühl, wenn du endlich wieder alles normal machen kannst und am Wochenende auch noch mitspielen darfst. Wie lange ich spiele, war dabei Nebensache für mich. Wieder auf dem Platz zu stehen, war für mich nach dem Rückschlag in der Winterpause das größte und beste Gefühl, was ich in letzter Zeit gehabt habe!“ Rudolstadt drängte auf den Ausgleich, den Seturidze hätte besorgen können. Sein Solo über den halben Platz konnte erst von Aulig im Fünfmeterraum gestoppt werden (67.). Seturidze, der einen Eckball haben wollte, sah dann wegen vehementen Meckerns den gelben Karton. Eine spielerisch auf mittlerem Niveau geführte zweite Hälfte lebte im Nordhäuser Dauerregen nur noch von der Spannung. Am Ende ist es eine fragwürdige Elfmeterentscheidung gegen den Tabellensechsten, der den Gästen aus Rudolstadt einen glücklichen, aber letztlich auch verdienten, Punkt bescherte.

FSV Wacker 90 Nordhausen II: Ruben Aulig (TW), Nils Pfingsten-Reddig, Leon Gümpel, Marcus Vopel (C, 60. Mika Hess), Florian Schröter, Jonas Ernst, Felix Schwerdt, Clemens Meinert, Lennart Liese (77. Hagen Pietsch), Vladimir Kovac, Torsten Klaus (63. Paul Kirchner). 

FC Einheit Rudolstadt: Adam Marczuk, Lukas Schirrmeister (77. Vincent Michl), Mateusz Lukasz Szymanski, Robert Bismark, Lukas Hodek (46. Markus Güttlich), Georg Kaiser, Tim Rühling (46. Hans Oeftger), Thomas Tönnessen, Sven Rupprecht, George Seturidze, Patrik Schlegel. 

Tore:  1:0 Lukas Schirrmeister (2. ET), 2:0 Torsten Klaus (21.), 2:1, 2:2 Patrik Schlegel (43., 87. FE).

Zuschauer: 65

Trainerstimme: 

Philipp Seeland (FSV Wacker 90 Nordhausen II): „Das Ergebnis ist sicherlich ärgerlich für uns. Wir führen 2:0 und müssen uns am Ende mit einem Punkt begnügen. Wir sind gut reingekommen ins Spiel, nutzen gleich die ersten zwei Offensivaktionen für uns. Erst erzwingen wir das Eigentor, dann gelingt Torsten Klaus das 2:0. Was mich für Torsten sehr freut, dass ihm auf seiner Abschiedstour dieses Tor gelang. Der Knackpunkt in der Partie war natürlich der Anschlusstreffer von Schlegel vor der Pause! Damit war das Spiel wieder offen. In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr zwingend genug und es fiel uns schwer, dass Spiel in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Rudolstadt nutzte das aus und hatte dann ein Übergewicht. Letztlich, und so ehrlich muss man dann auch sein, ist das Unentschieden für beide gerecht. An unserer Situation hat sich nicht viel geändert. Wir sind weiterhin Sechster mit 4 Punkten Abstand auf den Ludwigsfelder FC. Nächste Woche haben wir zu Hause im direkten Duell die Chance, uns gegen den Siebten durchzusetzen.“