Marcus Vopel lässt im großen Interview die Hinserie Revue passieren (Teil 1)

„Ich dachte mir nur: Oh NEIN, bitte nicht!“

Servus Marcus! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Bist du gut reingerutscht ins neue Jahr?

Marcus Vopel: Ja, bin ich. Wir hatten ein paar Gäste eingeladen und haben den Jahreswechsel in geselliger Runde erlebt.

Meistertitel verteidigt! Oberliga-Aufstieg! Hättest du dir in deinen kühnsten Träumen vorgestellt, nochmals in deiner Karriere mit Wacker aufzusteigen? 

Marcus Vopel: Ich habe immer darauf gehofft und daran geglaubt. Umso schöner war es natürlich dann, als uns das Präsidium mitteilte, dass wir im Falle der Meisterschaft auch aufsteigen dürfen.

„Ich fahre mit dem Rad nach Meuselwitz!“

Irgendwie kam es dann zu einer Wette, dessen Wettschuld du am letzten Spieltag der Thüringenliga eingelöst hast. Selbst eine Boulevardzeitung mit vier Buchstaben schrieb einen Artikel über deine außergewöhnliche Fahrt nach Meuselwitz. Wie kommt man auf so eine wahnwitzige Idee?

Marcus Vopel (schmunzelt): Wie das manchmal so ist, kommt man in Bierlaune auf manch komische Ideen. Eigentlich wollte ich damals noch mit dem Automatik-Roller von meinem Opa dorthin fahren. Aber als mir unser Busfahrer Stefan sagte, dass der Roller auf dem Rückweg nicht im Mannschaftsbus transportiert werden könnte, musste eine andere Variante her. Daher das Fahrrad. Es war sogar noch viel intensiver und macht die Geschichte eigentlich noch viel geiler.

Richten wir nun gemeinsam den Blick auf die Hinrunde. Zum Oberligaauftakt war der VFC Plauen zu Gast im AKS. Die erste Schlagezeile lautete „Bei brütender Hitze ersten Oberligapunkt geholt.“ Wie hast du das Debüt in die Oberliga empfunden?

Marcus Vopel: Mit dem VFC Plauen hatten wir gleich einen starken Gegner zu Gast. In den Anfangsminuten zeigten wir eine Menge Respekt. Dann wurden wir immer mutiger und kamen daher auch besser ins Spiel. Beide Defensivreihen zeigten sich in guter Frühform. Die daraus resultierende Chancenarmut aus dem Spiel heraus führte dann zu keinen Toren. Am Ende war es ein gerechtes Unentschieden.

Vier Gegentore beim VfL 96 Halle in einer Halbzeit. Führung verspielt, Ampelkarte für Mounir (Chaftar) und deftig verloren. Was war da denn bitteschön los? 

Marcus Vopel: In Halle sind wir glücklich in Führung gegangen und haben das 1:0 mit in die Pause genommen. Danach lief es unglücklich für uns. Durch zwei individuelle Fehler und dem Platzverweis für Mounir ist uns das Spiel leider entglitten. In Rückstand geraten versuchten wir zwar alles, wurden dann aber zweimal eiskalt ausgekontert und standen am Ende mit leeren Händen da.

„Es war ein geiles Spiel!“ #Die Zweite gegen Chemie Leipzig

Der Nachholer unter Flutlicht gegen Regionalliga-Absteiger Chemie Leipzig. An einem Mittwochabend vor 660 Zuschauern. Wackere 1:0-Führung zur Pause. Chemie spielte eine starke zweite Halbzeit und drehte das Spiel.  Es hätte aber auch anders ausgehen können.  

Marcus Vopel: Ja! Mit etwas mehr Glück geht das Spiel 1:1 aus. Der Druck wurde in der zweiten Halbzeit aber immer größer. Am Ende hat sich Chemie Leipzig die 3 Punkte durch ihre Hartnäckigkeit und den unbedingten Willen einfach verdient. Es war ein geiles Spiel! Es hat Spaß gemacht!

Gegen Union Sandersdorf war es eine ganz enge Kiste. Der Sonntagsschuss von Panagiotis Vassiliadis aus 30 Metern sorgte für den ersten Oberligasieg. Bei dem Spiel sah doch jemand wegen Ballwegschlagens die Ampelkarte.  

Marcus Vopel: Wir waren sehr gut im Spiel, hatten die Führung auf dem Fuß und dann gab der Schiedsrichter Elfmeter für Sandersdorf. In der Szene ging der Stürmer vor mich und trat nach hinten aus. Dadurch pfiff der Schiedsrichter. Ich gebe ihm dafür keine Schuld. Aus seiner Sicht war es wohl ein klarer Elfmeter. In diesem Moment hatte ich mich kurzzeitig nicht im Griff und warf den Ball weg. Dadurch sah ich dann die Ampelkarte. Der Elfmeterschütze setzte den Ball an den Querbalken und fast im Gegenzug machen wir das 1:0. In diesen Momenten war vielleicht der berühmte Fußballgott am Werk! 

„Nichts geht über eine leckere Stadionwurst!“

Ein Bild für die Götter am 5. Spieltag. Gegen Krieschow sitzt der Capitano abseits und isst die leckere Stadionwurst. Auf dem Platz „sailert“ es zweimal plus Eigentor von Pflug. Erster Heimsieg! Gleichzeitig der Auftakt zur ersten englischen Woche mit dem Nachholer gegen Chemie und dem Auswärtsspiel in Hohenstein-Ernstthal.

Marcus Vopel (lacht): Nichts geht über eine leckere Stadionwurst! Wir hatten eine Menge Spielfreude auf dem Feld. Es lief sehr gut für uns und haben daher verdient 3:0 gewonnen. Für mich war Paul (Kirchner, Anm. d.R.) bester Mann auf dem Feld. Wie er gearbeitet und gerackert hat, war unglaublich.

Im Duell der Aufsteiger erwischte Hohenstein-Ernstthal den besseren Start.  Zwei Kopfballtore von dir und zwei Buden von Paul  (Kirchner) sorgten dann für klare Verhältnisse. Damals sagtest du Zitat: „Zweimal unwiderstehlich hochgestiegen und hochgeschraubt zum Kopfballduell. Zwei unhaltbare Dinger. Einmal hinter den Pfosten und dann in den Winkel geköpft. Wahnsinn.“ War es ein Sieg der Moral? 

Marcus Vopel: Kann man so sagen. In der Anfangsphase wurden wir für unsere Passivität bestraft. Wir wussten, dass wir mutiger werden mussten. Wichtig war der Ausgleich noch kurz vor der Halbzeit. Nach der Pause haben wir das Spiel an uns gerissen und die 3 Punkte auch verdient mit nach Hause genommen. 

Da dachte ich mir nur: „Oh NEIN, bitte nicht!“

„Luckenwalde verhaftet“ war dein Statement nach dem ungefährdeten 2:0-Heimsieg über die Brandenburger. 

Marcus Vopel: Da wir sehr kompakt standen, hat Luckenwalde anfangs viele hohe Bälle in die Spitze gespielt. Unser Umschaltspiel klappte sehr gut, sodass wir selbst gefährlich werden konnten. Das 1:0 hat uns dann in die Karten gespielt. Luckenwalde musste mehr machen, aber die Zeit lief ihnen immer weiter davon. Mit dem 2:0 in der Nachspielzeit hat Lenny (Lennart Liese, Anm. d.R.) den Sack dann zugemacht. Der Sieg ging auch in Ordnung. 

Und wieder eine Woche im Rhythmus Samstag – Mittwoch – Samstag mit weiteren Begegnungen gegen Inter Leipzig und Eilenburg. 6 Spiele in 21 Tagen. Auch für dich eine neue Erfahrung? 

Marcus Vopel: Ich spiele lieber um Punkte, als zu trainieren. Für mich könnte es immer englische Wochen geben.

Den 8. Spieltag wirst du sicher noch lange in Erinnerung behalten. Kurz nach der Leipziger Führung der Ausgleich durch Paul (Kirchner). Intensives, kampfbetontes Spiel. Für dich war es leider nach 23. Minuten beendet. Welche Erinnerung hast du an die Situation, die zu der Verletzung führte?

Marcus Vopel: Ja! Das wird es. Ich bin schon oft umgeknickt oder falsch gelandet und dachte mir bei so mancher Situation „Hoffentlich ist es nichts Schlimmes.“ Bisher kam ich immer mit einem blauen Auge davon. Zu deiner Frage. Dieses Tackling war ein ganz normales, wie ich es schon oft gemacht habe. Es hat geregnet und der Platz war an manchen Stellen ziemlich aufgeweicht. Ich bin mit den Stollen im Rasen hängengeblieben und rutschte mit dem Körper weiter. Es machte ein komisches Geräusch. Ich habe es noch im Kopf, kann es aber irgendwie nicht wiedergeben. Ich hatte auch gleich ein Stechen gespürt.

Verletzungspech für Vopel im Spiel gegen Inter Leipzig

Ich dachte mir nur: „Oh NEIN, bitte nicht!“ Detlef (Hoinkis, Anm. d.R.) und Dominique (Gerding, Anm. d.R.) waren sofort zur Stelle. Ich wollte weiterspielen, aber es ging nichts mehr. Ich konnte kaum laufen, geschweige denn gegen den Ball treten. Ich hatte ein richtig blödes Gefühl. Dennoch Glück im Unglück, was die Bänder angeht. Da hätte es mich noch wesentlich schwerer treffen können. Es war „nur“ ein Seitenbandriss. Wir haben gegen Inter Leipzig ein gutes Spiel gemacht und einen verdienten Punkt mit nach Nordhausen genommen.

Was hast du in dem Moment gedacht, als es passierte?    

Marcus Vopel: „Hoffentlich ist nichts gerissen!“ Ein paar Tage später war ich im MRT. Ich dachte, es sei bestimmt nur eine Bänderdehnung. Bei der Auswertung bin ich fast vom Stuhl gekippt. Dass das Seitenband gerissen ist, daran hätte ich nicht gedacht. 

Kannst du in die Rückrunden-Vorbereitung voll mit einsteigen?

Marcus Vopel: Ich werde jetzt damit beginnen, ganz normal laufen zu gehen. Um konditionell wieder ranzukommen und Anschluss zu finden. Natürlich möchte ich so schnell wie möglich wieder mit der Mannschaft trainieren, aber das volle Tempo werde ich noch nicht gleich abspulen können.

+ Ende Teil 1 +

Im zweiten Teil geht es nicht minder informativ weiter. Marcus Vopel blickt auf die restlichen Begegnungen der Hinrunde zurück und er erzählt, dass seiner Meinung nach viel in die Oberliga investiert wurde.