FSV Wacker 90 Nordhausen II – Ludwigsfelder FC 3:2 (1:1)

„Ziel erreicht! Klassenerhalt geschafft!“

Wieder „auf´m Platz“ – Benjamin Kauffmann

Das Duell der Tabellennachbarn mutierte eher zum Wettstreit der Ersatzgeschwächten. Beide Seiten hatten mit Personalsorgen zu kämpfen. Die Gäste aus Brandenburg mussten u.a. auf Torjäger und Kapitän Paul van Humbeek verzichten. Der Neun-Tore-Mann des LFC zog sich am vorletzten Spieltag gegen Einheit Rudolstadt eine Achillessehnenverletzung zu. Bei den Wackeren kam Josip Jokanovic zu seinem elften Oberliga-Einsatz, Paul Kirchner stand eine Woche nach seinem Comeback in der Startelf. 4 Monate musste Kirchner nach dem Mittelfußbruch pausieren. Gegen Rudolstadt eingewechselt, folgte nun das Startelfdebüt des jungen Wilden, dass er auch gleich mit einem Tor krönte. Paul, der Fußball schreibt die besten Drehbücher, oder? “Das stimmt allerdings! Am Anfang meiner Verletzung hat mir jeder gesagt, dass ich diese Saison kein Spiel mehr machen werde. Ich könne froh sein, wenn ich nochmal ins Training einsteigen kann. Aber ich wusste eigentlich von vornherein, dass ich diese Saison noch mindestens ein Spiel machen will! Für mich war es dann einfach ein geiles Gefühl, nach der langen Zeit wieder von Anfang an spielen zu dürfen. Mich fragen sie immer vor einem Spiel, wie ich mich einschätze, ob ich ein Tor mache oder wie viele Tore ich machen werde (Kirchner schmunzelt). Heute habe ich gesagt: „Eins mache ich!“ Ich war natürlich glücklich, dass mir das auch gelungen ist. Vom Spielverlauf her hätte ich gern noch ein Zweites gemacht. Aber ich freue mich über das Tor und das wir den Sieg eingefahren haben!“ Die Reservebank der Gastgeber glich eher einem Wartezimmer beim Hausarzt. „Die komplette Bank ist eigentlich angeschlagen. Liese krank, Hess krank, Fluß mit Leistenproblemen. Dazu Reiß mit Kapselproblemen im Zeh. Gurniak angeschlagen und Kauffmann ist auch noch nicht bei 100%“ erklärte Philipp Seeland vor der Partie.

Er trifft aus allen Lagen – Torsten Klaus

Die Notizzettel der Pressevertreter blieben in der ersten Halbzeit sicher weitestgehend unbeschrieben. Viel gab es bei einer zähen und zerfahrenen ersten Hälfte auch nicht zu notieren. Fehlpässe, Stockfehler und Ungenauigkeiten hüben wie drüben ließen keinen Spielfluss aufkommen. Beiden Teams gelang quasi mit dem ersten richtigen Torschuss auch gleich ein Erfolgserlebnis. Dörnte brachte die Hausherren mit einer schönen Einzelaktion in Führung (10.). Rindelhardt konnte für die Gäste ausgleichen (21.). Die 75 Zuschauer, darunter einige Schlachtenbummler aus dem Brandenburgischen, sahen so zwar Effektivität auf beiden Seiten, spielerisch jedoch war noch deutlich Luft nach oben! Den nächsten Hochkaräter hatte wieder der LFC, bei dem Sportdirektor Philipp Karaschewitz mit auf dem Platz stand. Ein satter Schuss von Goede ging noch abgefälscht knapp über das Wacker-Gehäuse (36.). Es ist wiederum Goede, der kurz nach Wiederbeginn für Ludwigsfelder Torgefahr sorgte. Doch Jokanovic wehrte den Ball mit der rechten Pranke ab (46.). Wenig später tauchte Torsten Klaus frei im gegnerischen Strafraum auf. Doch Matthäs blockte den Schussversuch des Wacker-Routiniers. Die Hausherren wirkten nach dem Seitenwechsel zielstrebiger als noch zuvor. Kurz vor seinem 2:1 war Klaus wieder im Brennpunkt des Geschehens, aber der Freistoß von Pfingsten-Reddig zischte nur über sein Haupthaar. In der 59. Minute jubelten die Wackeren dann zum zweiten Mal. Ein Klaus-Kopfball landete endlich in den Ludwigsfelder Maschen. 120 Sekunden später versuchte der LFC zu antworten. Wieder war Goede im Mittelpunkt, doch seinem Schuss fehlte dann die nötige Präzision. In einer besser werdenden Oberligapartie verbuchte die nun spielbestimmende Seeland-Elf ein klares Chancenplus. Doch oft fehlte im letzten Drittel die Durchschlagskraft. Das rief Wacker-Coach Seeland auf den Plan: „Wir spielen Oberliga. Da müssen wir auch mal cool bleiben“ kommentierte der 29-Jährige eine der Aktionen, in denen seine Spieler die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor vermissen ließen. Der Abstauber von Kirchner zum 3:1 hätte der eingewechselte Liese kurz darauf veredeln können. Doch LFC-Keeper und Interims-Kapitän Lindner parierte aus kurzer Distanz.

Zwei Goalgetter in Jubellaune – Gino Dörnte und Paul Kirchner

Für den letzten Eintrag im Spielbericht sorgte dann Lemke, der für den LFC aus einer Kontersituation heraus verkürzte (89.). Die Gäste witterten daraufhin noch mal Morgenluft, doch unsere Zweite brachte den knappen Vorsprung über die Zeit und tütete den sechsten Heimsieg ein. Mit diesem Erfolg ist die selbstgesetzte 40-Punkte Marke nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten worden. Und „nebenbei“ wurde als Aufsteiger und Neuling in der Oberliga auch noch die Klasse gehalten! Chapeau! Marcus Vopel, Glückwunsch zum Klassenerhalt! „Vielen Dank! Ein weiteres Jahr Oberliga. Ich freue mich!“ Wurde darauf in der Kabine mit alkoholfreiem Bier angestoßen? „Alkoholfreies Bier? Sowas kenne ich nicht!“ (Vopel lacht). 3:2 gegen Ludwigsfelde gewonnen. Wie fällt dein Fazit zum Spiel aus? „Wir haben verdient gewonnen, aber nicht clever gespielt. In der ersten Halbzeit hatten wir zu wenig Bewegung im Spiel. Das konnten wir in der zweiten Hälfte besser machen. Leider haben wir es versäumt, viel eher den Deckel drauf zu machen. Am Ende kam Ludwigsfelde nochmal ran. Gott sei Dank haben wir die Führung über die Zeit gebracht!“ Am Wochenende erwartet uns das Landespokalfinale zwischen Preußen Bad Langensalza und Wacker Nordhausen. Wagst du einen Tipp? „Auf dem großen Platz, der Klassenunterschied…. alles andere als ein ungefährdeter Sieg würde mich überraschen! Langensalza wird versuchen, dass Spiel so lange es geht offen zu halten. Wir brauchen ein schnelles Tor, dann muss Langensalza etwas zeigen und es öffnen sich mehr und mehr Räume. Ich drücke der Mannschaft die Daumen und ich hoffe, dass der Pokal endlich wieder zu uns in den Südharz kommt!“ Nach der Pokalpause trifft die Seeland-Elf dann am vorletzten Spieltag (02.06.19) im Jenaer „Paradies“ auf den Fünfplatzierten FC Carl Zeiss Jena II.

FSV Wacker 90 Nordhausen II: Josip Jokanovic (TW), Nils Pfingsten-Reddig, Leon Gümpel, Marcus Vopel (C), Paul Kirchner, Florian Schröter (63. Benjamin Kauffmann), Jonas Ernst, Felix Schwerdt, Gino Dörnte, Clemens Meinert, Torsten Klaus (79. Lennart Liese).   

Ludwigsfelder FC: Lucas Lindner (TW, C), Maximilian Gerlach (79. Carlo Bree), Philipp Karaschewitz (66. Brian Blisse), Philip Pollow, Patrick Kowalski, Florian Matthäs, Steven Marx, Marcus Goede, Aaron Eichhorn, Christopher Lemke, Adam Rindenhardt. 

Tore: 1:0 Gino Dörnte (10.), 1:1 Adam Rindelhardt (21.), 2:1 Torsten Klaus (59.), 3:1 Paul Kirchner (86.), 3:2 Christopher Lemke (89.).

Zuschauer: 75

Trainerstimme: 

Philipp Seeland (FSV Wacker 90 Nordhausen II): „Ziel erreicht! Klassenerhalt geschafft!“ Das ist für mich der größte Fakt nach dem Spiel! Wir hatten gesagt, dass wir die 40 Punkte vollmachen wollen. Das die klar zum Klassenerhalt reichen würden, war uns bewusst. Doch trotz des 3:2-Sieges gibt es zwei Sachen, die ich an unserem Spiel bemängeln muss. Die erste Sache ist, dass wir nicht ganz fehlerfrei gespielt haben. Uns sind einige technische Fehler unterlaufen und wir haben falsche Entscheidungen getroffen. Die zweite Sache ist ganz klar unsere Chancenverwertung. Aufgrund der vielen Großchancen in der zweiten Halbzeit hätten wir deutlich höher gewinnen müssen. Auch weil wir von der Spielanlage her die klar bessere Mannschaft waren. Aber, auch der Gegner hat seine Spitzen gesetzt und nicht unverdient zwei Tore gemacht. Deswegen war es ungemein wichtig, dass wir selbst drei Tore erzielen konnten. Wir konnten den sechsten Platz festigen und haben noch zwei Spiele, auf die wir jetzt unseren vollen Fokus richten werden.“