Co-Trainer und Ex-Chemnitzer Matthias Peßolat im Interview

„Bin davon überzeugt, dass die Mannschaft Charakter hat“

„Bin davon überzeugt, dass die Mannschaft Charakter hat“

Matthias Peßolat als Kapitän beim letzten Punktspiel in Jena (0:0). Links Nils Pichinot

Matthias Peßolat ist gerade 34 Jahre alt geworden und in der fünften Spielzeit in Nordhausen. „Peßo“ wie er von seinen Mannschaftskameraden genannt wurde, war stets ein Mentalitätsspieler. Als sportliches und menschliches Vorbild führte er die jungen Mitspieler auf dem Platz. Seit dem 1. Januar 2019 arbeitet er als Co-Trainer von Heiko Scholz.

 

 

Zuerst die Nachfrage, um die wir nicht herum kommen: Was war da los in Halberstadt? Wie konnte es zu dieser Niederlage kommen?

Es war das erste Mal, dass ich so eine Erfahrung außerhalb des Platzes machen musste und nicht eingreifen konnte. Ich denke, es war eine Kopfsache, vielleicht wurde der Gegner auch etwas unterschätzt. Es reicht in dieser Liga nicht, schön zu kombinieren, hier müssen immer wieder die Grundtugenden abgerufen werden. Das ist immer wieder ein Abnutzungskampf.

Du hast die Fußballschuhe vor einem halben Jahr an den berühmten Nagel gehängt und bist ins Trainerlager gewechselt. Wie geht es dir heute mit dieser Entscheidung?

Sehr gut geht es mir und ich bin dem Verein sehr dankbar für die Chance. Es macht Spaß und ich habe viel zu tun. Aktuell vermisse ich das aktive Spielen absolut nicht. Es ist auch schön, mal ohne Schmerzen nach dem Training ins Auto zu steigen. Außerdem ist es eine sehr aufregende Zeit für mich.

Derzeit verfügst du über eine Trainer-B-Lizenz. Willst du dich zeitnah weiter qualifizieren, oder gibt das die momentane Beschäftigung als Co-Trainer gar nicht her?

Zeitlich ist ein Trainerlehrgang derzeit wirklich schwer einzutakten. Aber ich will natürlich den nächsten Schritt gehen und zeitnah die DFB-Elite-Lizenz erwerben. Aktuell nutze ich die wenige Freizeit, um mal auszuspannen. Als Spieler hatte ich dafür wesentlich mehr Zeit als jetzt.

Was kannst du nach den ersten drei Monaten über deinen Chef Heiko Scholz  sagen?

Er ist ein absolut fröhlicher Mensch und Kumpeltyp. Wir lachen viel zusammen, trotz des ganzen Leistungsdrucks. Und wir haben einen regen fachlichen Austausch. Ich kann von ihm viel lernen und die Zusammenarbeit macht gerade riesigen Spaß.

Die Saison verlief für uns nicht optimal. Dennoch könnte sie mit dem Aufstieg gekrönt werden, falls der Chemnitzer FC, keine Drittliga-Lizenz bekommt. Wie sehr glaubst du noch an den Aufstieg?

Unser Ziel ist es, am Ende auf Platz 3 zu stehen. Priorität hat aber deutlich der Pokal. Den wollen wir gewinnen und alles andere ist dann Zugabe. Dabei war unsere Quote an erfolgreichen Spielen vor dem Halberstadt-Spiel ganz gut. Jetzt kommen eine ganze Reihe knüppelharter Spiele dicht hintereinander. Der April wird ein echter Hammermonat.

A pro pos Pokal. Nächsten Mittwoch (17.4.) geht es im Halbfinale gegen Jena. Wie bereitet ihr die Mannschaft auf diesen Saisonhöhepunkt vor?

Die Vorbereitung der Spieler läuft wie zu jedem anderen Spiel auch. Sicherlich werden wir uns mehr Videos ansehen im Vorfeld. Ich war mit Rüdiger Hoppe schon zur Spielbeobachtung in Jena und wir schauen uns den FCC noch einmal an. Alles in allem werden wir sehr gut vorbereitet sein.

Zurück zum CFC. Du hast selbst zwei Jahre in Chemnitz gespielt. Wie erinnerst du dich an diese Zeit?

Es war für mich eine grandiose Zeit. Wir sind in die 3. Liga aufgestiegen. Wir hatten eine super Truppe. Sich so von den Fans feiern zu lassen, war großartig. Die zwei Jahre in Chemnitz gehörten für mich zu meinen besten Jahren.

Wenn man deine Karriere als Spieler betrachtet, dann fällt auf, dass du immer nur für Ostvereine gespielt haben. War das ein Zufall oder eine bewusste Entscheidung?

Ich weiß nicht. Ich hatte keine konkreten Angebote von Vereinen aus dem Westen oder Süden und hier konnte ich für richtig gute Traditions-Clubs spielen. Dafür bin ich sehr dankbar. Zusätzlich hatte ich das Vergnügen, in meinen Vereine immer oben mitspielen zu können und nie gegen den Abstieg.

Nach dem Debakel am Sonntag empfängt Wacker nun den souveränen Tabellenführer zum Spitzenspiel. Was erwartest du als Co-Trainer vom Team?

Eine Trotzreaktion. Ich bin überzeugt davon, dass die Mannschaft Charakter hat. Das wird sie uns am Freitagabend zeigen wollen. Jetzt ist Mentalität gefragt. Besonders motivieren muss man ein Team vorm Spiel gegen den Spitzenreiter ohnehin nicht mehr.

Wie verläuft die aktuelle Planung für die kommende Spielzeit. Gibt es Schwerpunktpositionen, auf denen die Mannschaft verstärkt werden soll? Habt ihr konkrete Spieler im Auge und wie laufen die Verhandlungen?

Da ist Berbe (Tino Berbig) eigentlich der richtige Ansprechpartner. Uns werden gerade eine Menge Spieler angeboten. Prinzipiell wollen wir aber unsere Jungs hier halten. Nach aktuellem Stand könnten 5-6 Neue dazu kommen. Wir schauen uns auch immer wieder Spieler an und Ulf Kirsten ist auf den Plätzen im Westen unterwegs für uns.

Es soll also keinen größeren personellen Umbruch geben in der Sommerpause?

Nein, das Gros der Spieler soll gehalten werden. Es laufen ja 14 Verträge im Sommer aus. „Berbe“ führt schon fleißig Gespräche mit den Jungs.

Wie diskutiert ihr im Team, dass Hansa Rostock angeblich Felix Müller wegholen will?

Es freut mich für ihn, dass so ein Interesse besteht. Das spricht für die guten Leistungen, die er bei uns bringt. Aber ob es konkret eine Anfrage gibt, weiß ich nicht. Außerdem hat er noch ein Jahr Vertrag in Nordhausen. Die Geschichte ist aber kein Thema im Team.

In einem reichlichen Monat ist die Saison gelaufen, vielleicht mit dem Pokalsieg. Wo wird Matthias Peßolat danach seinen Urlaub verbringen?

Das steht noch nicht fest. Ich bin gerade erst umgezogen und habe so viel um die Ohren, dass ich mich bis jetzt nicht darum gekümmert habe. Das entscheide ich dann spontan und kurzfristig. Glücklicherweise muss man ja heute nicht ewig vorher buchen.