Über den Albert Kuntz Sportpark

Daten:

  • Fußballstadion mit 1088 Sitz- und 7000 Stehplätzen; davon überdacht 1088/1500
  • Einweihung des Wacker-Sportplatzes am Kuhberg: 26. August 1923
  • 1 Hauptplatz (Rasen) 3 Nebenplätze (1 Rasen-, 1 Hart-, 1 Kunstrasenplatz)
  • zweigeschossiges Stadiongebäude mit 6 Kabinen, Duschen und Trainerräumen
  • unmittelbar angrenzend Hotel Am Stadtpark mit Restaurant

Die Geschichte des Albert-Kuntz-Sportparks

Der Spielbetrieb des Vereins begann 1905 auf einem Areal zwischen der heutigen Puschkin- und Geschwister-Scholl-Straße. Später wurde am Grenzrasen beim Kurhaus westlich gegenüber der gegenwärtigen Spielstätte gekickt sowie in der Nähe des ehemaligen Schlachthofes (Kyffhäuserstraße). Glücklich war der Verein mit diesen Spielstätten nie. Ein eigener Sportplatz musste nun her. Besonders W. Schellhammer war die treibende Kraft. In der Festschrift des 1. SV Wacker Nordhausen zum 25-jährigen Vereinsjubiläum 1930 wurde dem Bau dieses Sportplatzes breiter Raum gewidmet:

„Die Bestrebungen nach Schaffung eines eigenen Platzes lebten wieder auf. Nachdem im Anfang des Jahres eine Kommission aus jüngeren Leuten versagte, nahm der Vorstand die Angelegenheiten wieder energischer in die Hand. Das jetzige Gelände wurde ausfindig gemacht und durch die Turn- und Sportgemeinschaft der Stadt angeboten. Die Stadt konnte sich aber nicht entschließen. Wacker trat dann an die Stadt heran wegen Pachtung der Salzaer Bleiche, um diese mit Hilfe der produktiven Erwerbslosen-Fürsorge auszubauen. Die Verhandlungen gediehen sehr weit, der Verein erhielt einen Kontrakt von der Stadt übersandt, nach dessen Zurückgabe man nichts mehr davon hörte…

Inzwischen waren die Verhandlungen wegen Ankauf eines Sportplatzes in aller Stille weitergeführt worden. Am 24. Dezember 1921 kaufte Wacker nach geheim geführten Verhandlungen von der Nordhäuser Terraingesellschaft den ersten Teil, die Hälfte des jetzigen Geländes. Und am 25. Dezember konnte der Vorstand die Vereinsmitglieder nach dem geplanten Sportplatz führen und von der Gestaltung des Sportplatzes Mitteilung machen. Im Herbst 1922 wurde der zweite Teil hinzugekauft. Eile war hier dringend geboten, da der Schrebergarten-Verein auf das Gelände reflektierte. Innerhalb 24 Stunden wurde der Kaufvertrag festgelegt und beim Notar abgeschlossen. Anfang 1922 begann dann die Arbeit auf dem Sportplatz. Zunächst Planierungsarbeiten und der Bau des Zaunes…

Der Höhepunkt des Jahres 1923 war die Weihe des eigenen Sportplatzes. In nahezu zweijähriger selbstloser Arbeit, die restlos von den Mitgliedern des Vereins geleistet wurde, war es gelungen, eine der schönsten Anlagen im Gaugebiet herzustellen. Über 60 000 Arbeitsstunden mussten geleistet, 25 Autofuhren und Hunderte von Geschirrfuhren Schlacke, Zement, Bausteine, Ziegel, Holz usw. verarbeitet werden. Mit Stolz konnte der Verein ein Gelände sein Eigen nennen, das neben großer und kleiner Kampfbahn, Laufbahn und Sprunggrube die Möglichkeit zu einer Erweiterung für jeden noch anzunehmenden Sportzweig in sich barg. Wenn wir heute besonders stolz auf unseren Sportpark sind, dann ist es der Gedanke, dass wir ihn bald unbelastet von finanziellen Sorgen benützen können, eine Tatsache, um die uns sicher mancher Verein beneidet.“

Fast jeder Satz ruft Assoziationen zur jetzigen Situation hervor. Leider ging das Einweihungsspiel gegen Halle 96 mit 0:6 verloren. Gut zehn Jahre später konnte auch ein vereinseigenes Klubhaus zur Nutzung übergeben werden (heute Hotel neben dem Sportpark).

Nach 1945 wurde mit bescheidenen Mitteln weiter an der Verschönerung der Anlagen gearbeitet. Vor dem Punktspiel der DS-Liga Nordhausen gegen Lichtenberg 47 im September 1951, das 3:3 endete, erhielt der Platz den Namen Albert-Kuntz-Sportpark zu Ehren des im Konzentrationslager Mittelbau-Dora ermordeten Antifaschisten.

Es verwundert nicht, dass in dieser entbehrungsreichen Zeit gerade auch im durch Bomben zerstörten Nordhausen guter Fußballsport geboten wurde. Viele Abwechslungsmöglichkeiten gab es nicht. Also zogen Tausende mit Kind und Kegel Spieltag für Spieltag in die von vielen Gegnern gefürchtete Spielstätte von Motor West, die oft einem Hexenkessel glich. Einige Male waren es an die 10 000 Zuschauer.

In den 1980er-Jahren wurde der Sportpark einer gründlichen Renovierung unterzogen. Überdachte Sitz- und Stehplatztribünen, ein Sozialgebäude, eine Traglufthalle, eine Flutlichtanlage, die für mehrere Millionen errichtet wurden, erhöhten fortan den Komfort für Aktive und Gäste. Nach einigen Junioren-Länderspielen war der 22. September 1987 sicher einer der denkwürdigsten Tage der „schönsten Sportstätte des Bezirkes Erfurt“ (offizieller Titel eines Wettbewerbs), als das Olympiaqualifikationsspiel DDR gegen die Niederlande (4:2) in dem Schmuckkästchen stattfand. Nachdem auch noch Sitzschalen installiert worden waren, vergab der Fußballverband 1990 sogar zwei Spiele der U-16-Junioren-Europameisterschaft in den AKS.

Ab 1990 konnten Mannschaften aus der Bundesliga im Wacker-Sportpark empfangen werden. Inzwischen hatte die Treuhand den Albert-Kuntz-Sportpark in die Rechtsträgerschaft der Stadt übergeben. Trotz deren Bemühungen nagte der Zahn der Zeit an der Anlage, und Investitionen in Größenordnungen waren bei den beschränkten finanziellen Mitteln nicht mehr zu stemmen.

Nachdem mit dem 1. FC Köln, 1860 München, Hamburger SV, Werder Bremen und Arminia Bielefeld Bundesligakicker hier aufliefen, war Ende der 1990er-Jahre auch die Hoch-Zeit der Wacker-Elf vorbei.

Finanziell überfordert, folgte der sportliche Abstieg. Damit litten auch der Sportpark und dessen Anziehungskraft, obwohl der FSV Wacker 90 auch in der Thüringenliga und Oberliga noch immer die Spitzenposition in der Zuschauergunst einnahm. Gerade deshalb wünschen wir dem in die Jahre gekommenen Sportpark eine würdige Umgestaltung. Verdient hat er es der Tradition wegen allemal, zumal mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nordost zumindest ganz Ostdeutschland auf uns schaut.

Zuschauerrekorde
30. August 1953
10.000 beim Freundschaftsspiel Motor West gegen Dynamo Dresden 0:4
7. Mai 1967
10.000 beim Punktspiel Motor West gegen FC Rot-Weiß Erfurt 1:1
16. August 1997
7.500 beim DFB-Pokalspiel Wacker gegen Hamburger SV 1:3
16. Mai 1954
7.000 beim FDGB-Pokalspiel Motor West gegen Rotation Babelsberg 4:1